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Duell der Giganten: Droht ChatGPT das Netscape-Schicksal?

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23.02.2026

Duell der Giganten: Droht ChatGPT das Netscape-Schicksal?

Ein wenig erinnert die Situation an die Hochphase des Internethypes. KI ist in aller Munde. Für die breite Masse geht es dabei in der Hauptsache um ChatGPT & Co. Dabei ist KI natürlich viel vielfältiger und umfassender, aber viele der Anwendungen sind nicht für den Massenmarkt geeignet, sondern decken spezielle Nischen ab, nicht weniger nützlich, aber nicht so öffentlichkeitswirksam.

In der öffentlichen Wahrnehmung dominiert ChatGPT. Fast immer, wenn von KI-Systemen für die breite Masse die Rede ist, steht ChatGPT im Vordergrund.  ChatGPT gilt für viele wie ein Synonym für KI-Systeme. Fast wie ein Gattungsbegriff. Ist das Rennen, um die Vorherrschaft also schon gelaufen? Ist ChatGPT in Zukunft das neue Google? Allgegenwärtig und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Ein Blick zurück: Die Lehren der Internetgeschichte

Werfen wir einen Blick zurück in die 90er-Jahre: Damals hielt der Browser Netscape einen Marktanteil von über 80 Prozent. Er war der unangefochtene Standard. Ähnlich war es bei Yahoo – für die meisten Nutzer war es das Portal, an dem jede Internetsitzung begann. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Beide Giganten sind heute nur noch Randnotizen.

Zwar lässt sich diese Ära nicht eins zu eins auf heute übertragen, vor allem, weil die Eintrittsbarrieren massiv gestiegen sind. Während früher Studenten in einer Garage eine Suchmaschine bauen konnten, die Yahoo in den Schatten stellte, erfordert moderne „State-of-the-Art“-KI heute Rechenzentren im Wert von Milliarden Dollar. Die Zahl der Mitspieler wird allein durch diesen enormen Kapitalbedarf stark begrenzt.

Google holt auf: Die Macht des Ökosystems

Doch im Gegensatz zu den frühen Internettagen gibt es heute einen Mitspieler mit nahezu unbegrenzten Ressourcen: Google. Mit seinem System Gemini hat der Konzern einen mächtigen Gegenspieler positioniert, und das Rennen befindet sich gerade in einer heißen Phase. Lag der Marktanteil von ChatGPT bei den eigenständigen Chatbots Anfang 2025 noch bei über 87 Prozent, sank er laut Analysen von Similarweb bis Anfang 2026 auf rund 65 Prozent. Im Gegenzug konnte Google Gemini seinen Anteil auf über 20 Prozent vervielfachen.

Wer hat die bessere Ausgangsposition?

ChatGPT punktet mit hoher Innovationskraft und einem enormen Bekanntheitsgrad. Google hingegen setzt auf die tiefe Integration: Gemini wandert direkt in die Systeme, die Milliarden Menschen ohnehin nutzen – Android-Smartphones, Google Maps oder Gmail. Viele werden so zu Gemini-Nutzern, ohne den Dienst überhaupt gezielt aufrufen zu müssen.

Neben den Systemen an sich, wird aber auch die Finanzkraft hinter den Systemen eine Rolle spielen. ChatGPT-Betreiber OpenAI konnte seinen Umsatz zuletzt zwar deutlich steigern und überschritt nach eigener Auskunft 2025 zum ersten Mal die Marke von 20 Milliarden Dollar Umsatz, aber unter dem Strich steht immer noch ein dicker Verlust. Ganz anders bei Konkurrent Google. Alphabet Inc. erzielte 2025 einen Rekordumsatz von mehr als 400 Milliarden Dollar und erwirtschafte einen Gewinn von rund 130 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Experten zufolge würde ein Börsengang von OpenAI rund 100 Milliarden Dollar in die Kassen des ChatGPT-Betreibers spülen und damit weniger als Alphabets Jahresgewinn 2025.  Allein Googles geplante KI-Investitionen für 2026 belaufen sich auf bis zu 185 Milliarden Dollar – das ist mehr, als ein gesamter Börsengang von OpenAI voraussichtlich einbringen würde.

Die Gefahr für OpenAI: Der Druck der Börse

Noch kann OpenAI auf die Geduld seiner Investoren zählen. Doch früher oder später muss ein tragfähiges Geschäftsmodell her. Der notwendige Aufbau immer neuer Rechenleistung verschlingt Unmengen an Geld, das OpenAI im Gegensatz zu Google direkt aus dem KI-Betrieb generieren muss. Erste Tests mit Werbung in den USA sind bereits angelaufen. Zukünftig will man sich zwar auch als KI-Cloud-Anbieter etablieren, aber auch das erfordert weitere Milliarden-Investitionen.

Sollte OpenAI den technologischen Vorsprung (den „Intelligence Edge“) verlieren, könnte auch die Unterstützung von Microsoft bröckeln. Ein Börsengang, der für Ende 2026 geplant ist, könnte zwar frisches Kapital bringen, erhöht aber den Druck: Aktionäre sind oft ungeduldiger als Wagniskapitalgeber. Um profitabel zu werden, könnte OpenAI gezwungen sein, Abopreise zu erhöhen oder die Qualität der Gratis-Version zu drosseln – während Google seinen Dienst einfach als Standard-Feature in jedes Handy integriert.

Und dann wäre da noch das Thema „Rechenpower“. Google hat schon sehr früh begonnen seine eigene Cloud-Infrastruktur aufzubauen und ist heute weltweit die Nummer 3 unter den Cloud-Anbietern, mit einem starken Fokus auf KI-Dienste. Dafür nutzt Google unter anderem eigenentwickelte KI-Chips, sog. „Tensor Processing Units“. Die Chips sind für viele KI-Anwendungen leistungsfähiger und kostengünstiger als die „Graphics Processing Units“ von Weltmarktführer Nvidia. Damit macht sich Google nicht nur unabhängiger von externen Lieferanten, sondern kann die Chips auch exakt auf seine Bedürfnisse optimieren.

Droht also ChatGPT das Netscape-Schicksal? Sie haben den Markt definiert und das beste Produkt geboten. Aber am Ende gewannen Microsoft (mit dem Internet Explorer) und Google, weil sie den Browser direkt mit dem Betriebssystem oder der Suche verknüpften.

Hardware als rettender Anker?

Nicht weniger als „The next big thing“ sollen die neuen Geräte von OpenAI sein. Keine Weiterentwicklung herkömmlicher Smartphones, sondern völlig neue Geräte. Dafür wurde eigens das KI-Startup "io", mit dem ehemaligen Apple Star-Designer Jony Ive übernommen. OpenAI-CEO Altman zeigt sich von einem ersten Prototyp begeistert und bezeichnet es, als das coolste Stück Technologie, welches er je gesehen habe. Andere Experten sind dagegen skeptisch und sehen in den angekündigten Geräten keinen Gamechanger.

Am Einstig in den Hardwaremarkt sind schon einige Giganten gescheitert. Allen voran Microsoft. Microsoft hatte Geld, Software-Dominanz und mit Nokia sogar die notwendigen Fabriken – und ist trotzdem mit seinem Windows-Phone am fehlenden App-Ökosystem gescheitert. Und auch Google tut sich mit seinen Pixel-Phones nach wie vor schwer zu den großen Playern im Markt aufzuschließen. Trotz exzellenter Hardware liegt der Marktanteil immer noch weit hinter Apple, Samsung & Co. zurück.

Darüber hinaus bedeuten die Entwicklung von Endgeräten und der Aufbau eines Vertriebsnetzes nicht unerhebliche Investitionen, zusätzlich zu den zwingend erforderlichen Investitionen in mehr Rechenleistung für die KI-Systeme.

Ein lachender Dritter?

Oder kommt es ganz anders und der vielzitierte lachende Dritte macht das Rennen? Möglich? Ja. Wahrscheinlich: Eher nicht. Die Investitionskosten für das Training eines neuen Modells sind enorm und die Macht über die Daten liegt schon in der Hand der anderen Big-Player. Aber ein „Enterprise-Spezialist“ wie Anthropic kann sich beispielsweise im B2B-Segment durchaus gegen die Big-Player behaupten und es wird eine Reihe von Nischenanbietern geben, die hochspezialisierte Anwendungen erfolgreich betreiben werden. Claude Opus 4.5 gilt Anfang 2026 als das beste Modell für komplexe Programmieraufgaben und Unternehmenseinsätze, weil es weniger „halluziniert“ und stabilere Ergebnisse liefert. Aber für den Massenmarkt ist das Auftauchen eines Unbekannten Dritten in naher Zukunft eher unwahrscheinlich.

Ein neues Duopol?

Es ist denkbar, dass wir eine ähnliche Welt erleben werden wie bei den Smartphones: Ein Duopol aus zwei großen Kräften.

  • Google Gemini könnte das System für die „Bequemen“ werden – tief vernetzt mit Maps, Shopping und E-Mails. Alles aus einer Hand, aber mit dem Beigeschmack einer möglichen Subjektivität durch Googles Werbealgorithmen.
  • ChatGPT hat die Chance, das „Apple der KI-Systeme“ zu werden: Die Wahl für Nutzer, die eine unabhängige, technologisch führende Instanz suchen und bereit sind, dafür zu zahlen.

Die Grundvoraussetzung dafür bleibt jedoch: OpenAI muss technologisch mindestens auf Augenhöhe mit der gewaltigen Finanzmacht aus Mountain View bleiben. Das Rennen ist noch lange nicht entschieden.

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